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Welche Honigsorten gibt es? Ein ruhiger Überblick

Stehen Sie morgens manchmal vor drei Gläsern Honig und fragen sich, weshalb auf dem einen «Waldhonig», auf dem nächsten «Rohhonig» und auf dem dritten einfach «cremig» steht? Es klingt, als wären das drei vergleichbare Honigsorten. Tatsächlich beantworten die Begriffe drei verschiedene Fragen: Woher kommt der Honig, wie wurde er verarbeitet und welche Konsistenz hat er? Wer diese Ebenen trennt, liest ein Honigetikett plötzlich nicht mehr wie ein Rätsel, sondern wie eine kleine Landkarte. Hier ist der ruhige Honig-Kompass.

Direkte Antwort: Der Unterschied zwischen verschiedenen Honigsorten lässt sich über fünf Ebenen erklären: Ausgangsquelle, Pflanzenart, Herkunft, Verarbeitung und Konsistenz sowie eine mögliche Zertifizierung oder Aktivitätsmessung. Ein Glas kann deshalb gleichzeitig Blütenhonig, Marri-Honig, australischer Rohhonig, cremig und bioaktiv sein. Die Bezeichnungen widersprechen sich nicht. Sie beschreiben dasselbe Produkt aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

 

Warum Honigsorten nicht in eine einzige Schublade passen

«Honigsorte» wird im Alltag als Sammelbegriff verwendet. Auf dem Etikett stehen jedoch Angaben, die Verschiedenes beschreiben:

Ebene

Typische Angaben

Was sie Ihnen sagt

Ausgangsquelle

Blütenhonig, Honigtauhonig

Woraus die Bienen den Honig bereitet haben

Pflanzenquelle

Raps, Linde, Kastanie, Eukalyptus

Welche Pflanze das Aroma überwiegend prägt

Herkunft

Schweiz, Tessin, Westaustralien

Wo der Honig erzeugt wurde

Verarbeitung und Textur

roh, Wabenhonig, flüssig, cremig

Wie er gewonnen oder angeboten wurde

Standard oder Messwert

Bio, TA, MGO, UMF

Was zertifiziert oder im Labor untersucht wurde

Das erklärt auch, weshalb «Biohonig oder Waldhonig?» keine ganz passende Entweder-oder-Frage ist. Wald beschreibt die Ausgangsquelle, Bio die Produktionsweise. Ein Waldhonig kann also biozertifiziert sein oder nicht.

 

Was unterscheidet Blütenhonig von Waldhonig?

closeup bee pink floribunda field sunlight

Die erste grosse Trennlinie liegt dort, wo die Bienen sammeln. Nach der Schweizer Verordnung über Lebensmittel tierischer Herkunft stammt Blütenhonig hauptsächlich aus Blütennektar. Honigtauhonig entsteht vorwiegend aus Stoffen auf lebenden Pflanzenteilen, darunter Ausscheidungen pflanzensaugender Insekten. Waldhonig ist die geläufige Bezeichnung dafür.

Blütenhonig kann mild, blumig oder deutlich aromatisch sein. Waldhonig wirkt häufig dunkler, würziger und weniger unmittelbar süss. Das sind Tendenzen, keine starren Regeln. Pflanzenwelt, Region, Wetter und Erntezeit schreiben jedes Jahr ein wenig an der Rezeptur mit.

Ein Blütenmischhonig wiederum vereint mehrere Pflanzenquellen. Das macht ihn nicht zu einer minderwertigen Restekategorie. Er kann vielmehr wie eine Momentaufnahme der Landschaft schmecken: ein Glas, in dem eine bestimmte Region und Saison zusammenkommen.

 

Was bedeutet Sortenhonig wirklich?

Raps-, Linden-, Kastanien- oder Eukalyptushonig werden nach der Pflanzenquelle benannt, die den Honig überwiegend prägt. Das bedeutet nicht, dass jede Biene ausschliesslich eine einzige Blüte besucht hat. Entscheidend ist, dass die genannte Pflanzenquelle den Honig charakteristisch prägt und die botanische Herkunft nachvollziehbar ist.

Laut Agroscope werden in der Schweiz vergleichsweise wenige einheimische Sortenhonige angeboten. Gerade deshalb kann ein Sortenhonig wie ein botanischer Fingerabdruck wirken: Er verbindet einen wiedererkennbaren Geschmack mit einem Ort und seiner Vegetation.

 

Ein kleiner Geschmacksatlas

Geschmacksrichtung

Beispiele

Passt häufig zu

Mild und fein

Akazien- beziehungsweise Robinienhonig, Klee, milde Blütenmischungen

Joghurt, Porridge, Tee

Weich und cremig

Raps, Frühjahrsblüte

Brot, Frühstück, Backen

Floral oder kräuterig

Linde, Lavendel, Eukalyptus

Getränke, Dressings, Marinaden

Dunkel und charaktervoll

Wald, Tanne, Kastanie, Buchweizen

Käse, Saucen, herzhafte Gerichte

Diese Gruppen sind eine Orientierung, kein Geschmacksvertrag. Der Codex Alimentarius der FAO und WHO hält fest, dass Farbe, Konsistenz, Aroma und Geschmack von Honig variieren und das Aroma gewöhnlich mit der pflanzlichen Herkunft zusammenhängt.

 

Flüssig, cremig oder kristallisiert: Ist das eine Qualitätsfrage?

spoon scooping crystalized honey

Nicht automatisch. Honig kann flüssig, zähflüssig, teilweise oder vollständig kristallisiert sein. Cremiger Honig besitzt eine feine Kristallstruktur und wird häufig so gerührt, dass er streichfähig bleibt. Laut Agroscope ist Kristallisation ein natürlicher Prozess und kein Hinweis darauf, dass ein Honig verdorben ist.

Auch «Rohhonig» beschreibt keine Blütenquelle. Der Begriff bezieht sich üblicherweise darauf, wie schonend der Honig verarbeitet wurde. Da Anbieter ihn unterschiedlich konkretisieren können, lohnt sich ein zweiter Blick: Wurde erhitzt? Wie stark wurde gefiltert? Werden Verarbeitung und Herkunft transparent erklärt? Der Codex trennt ebenfalls zwischen Herkunft, Gewinnungsart und Angebotsform des Honigs.

Ähnlich verhält es sich mit «regional» und «Bio». Regional beschreibt die geografische Nähe, Bio einen zertifizierten Produktionsstandard. Wer Honig aus der Umgebung sucht, findet im Reformwelt-Ratgeber praktische Wege, um lokale Imkerbetriebe in der Schweiz zu finden.

 

Ist bioaktiver Honig eine eigene Honigsorte?

Bioaktiver Honig ist keine botanische Sorte wie Raps oder Linde. «Bioaktiv» beschreibt eine untersuchte Aktivität. Der Honig besitzt daneben weiterhin eine Pflanzenquelle, Herkunft, Textur und Verarbeitung.

Auch TA, MGO und UMF meinen nicht dasselbe. MGO bezeichnet die Konzentration eines bestimmten Stoffes. Das UMF-System für neuseeländischen Manuka-Honig berücksichtigt laut der UMF Honey Association mehrere Prüfgrössen, darunter MGO, Authentizität und Frische. TA betrachtet wiederum die Gesamtaktivität eines Honigs.

Die Zahlen sind daher eher verschiedene Landkarten als unterschiedliche Massstäbe auf demselben Lineal. Eine genaue Einordnung bietet der Ratgeber TA vs. MGO vs. UMF.

 

So finden Sie den Honig, der zu Ihrem Alltag passt

Beginnen Sie nicht mit der Frage nach dem «besten» Honig, sondern mit vier ruhigeren Fragen:

  1. Wie möchten Sie ihn verwenden? Für Brot ist eine cremige Textur praktisch; für Getränke lässt sich ein flüssiger Honig leichter dosieren.
  2. Welche Aromatik mögen Sie? Mild, floral, kräuterig oder würzig?
  3. Welche Angaben sind Ihnen wichtig? Herkunft, Bio-Zertifizierung, Rohverarbeitung oder Aktivitätswert?
  4. Sind die Informationen nachvollziehbar? Prüfen Sie Pflanzenquelle, Produktionsland, Verarbeitung, Laborangaben und Anbietertransparenz.

Für eine vertiefte Auswahl nach Geschmack, Alltag und Aktivität hilft der Artikel Honig nach Zweck auswählen.

Gut zu wissen: Honig gehört nicht in die Ernährung von Kindern unter zwölf Monaten, da das Risiko für Säuglingsbotulismus besteht. Darauf weisen auch die US Centers for Disease Control and Prevention hin.

 

Honig bewusst entdecken

Möchten Sie Pflanzenquelle, Herkunft und Aktivitätsstufe in Ruhe vergleichen? In der Honigkollektion von Reformwelt finden Sie ausgewählte australische Eukalyptus-, Marri- und Desert-Mallee-Honige mit klar ausgewiesenen Aktivitätsstufen.

Wählen Sie nicht einfach die höchste Zahl, sondern den Honig, der zu Ihrem Geschmack, Ihrer Verwendung und Ihrer Kaufpriorität passt.

Honig in Ruhe entdecken

Honig kann auch ein zurückhaltendes, alltagstaugliches Geschenk sein. Für Kundinnen, Kunden oder Mitarbeitende finden Sie bei Reformwelt Möglichkeiten für Firmengeschenke mit Honig. Dezente Personalisierungen, grössere Mengen oder mehrere Lieferadressen lassen sich über eine unverbindliche Anfrage besprechen.

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Fazit: Aus drei Gläsern wird ein verständliches Bild

Zurück zu den drei Gläsern vom Frühstückstisch: Waldhonig beschreibt die Ausgangsquelle, Rohhonig die Verarbeitung und «cremig» die Textur. Sobald Sie diese Ebenen trennen, wird die Auswahl deutlich ruhiger.

Guter Honig muss nicht mit möglichst vielen Begriffen glänzen. Er sollte verständlich zeigen, woher er kommt, wie er verarbeitet wurde und weshalb er zu Ihrem Alltag passt.

 

Häufige Fragen zu Honigsorten

Welche Honigsorte ist die beste?

Eine allgemein beste Sorte gibt es nicht. Für ein mildes Frühstück kann ein cremiger Blütenhonig passen, für Käse ein kräftiger Wald- oder Kastanienhonig und für Menschen, die Aktivitätswerte vergleichen möchten, ein transparent getesteter bioaktiver Honig. Entscheidend sind Zweck, Geschmack und nachvollziehbare Produktangaben.

Ist kristallisierter Honig noch gut?

Ja, Kristallisation ist ein natürlicher Vorgang. Manche Honige kristallisieren schneller als andere. Das verändert vor allem die Textur, nicht automatisch die Qualität. Gut verschlossen, trocken, dunkel und eher kühl bleibt Honig am besten gelagert.

Ist bioaktiver Honig dasselbe wie Manuka-Honig?

Nein. Manuka bezeichnet die botanische Herkunft aus der Manuka-Pflanze. Bioaktivität beschreibt eine gemessene Eigenschaft. Manuka kann bioaktiv sein, ist aber nicht die einzige Pflanzenquelle, bei der Aktivität untersucht oder ausgewiesen wird.

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